The Johnny Winter Story

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Magazine Coverage in 1972

 

Rolling Stone Magazine 1972

"Johnny Winter: Just Act Like I'm A Person, Dammit!" A complete scan of this article can be found on the "Mean Town Blues Site".

Maxipop France, 13 Jul 1972

MaxiPop No 3, a bi-weekly French magazine with articles on: J. Hallyday Alvin Lee (Ten Years After) Bob Dylan Janis Joplin Fillmore Faces : Humble Pie Johnny WinterPaul Mc Cartney Simon & Garfinkel

New Musical Express, 15 Jul 1972

Charles Shaar Murray comments on JW's come back.
"Johnny Winter's music is a joy and kindness, the natural product of blues, rock, and country of the Texas adolescence, spiced and sparkled up by all the flash and arrogance and showmanship that we expect from a 70's rock and roll start."

Pop Magazine (Germany) - December 1972

Johnny Winter - Ich war ein Fixer

Als er im Jahre 1962 vor den Schallplattengeschäften Chicagos auf einer ausgeliehenen Gitarre herumklimperte und die Leute für den Blues und sein grösstes Idol - Muddy Waters - zu begeistern versuchte, war die Welt für den damals kaum 18jährigen Johnny Winter noch völlig heil und in Ordnung. Hätte ihm damals einer prophe zeit, dass nur wenige Jahre später ein junger Mann namens Johnny Winter die Leute von den Sitzen reissen und ganze Konzertsäle zum Rasen bringen würde, er hätte ihn wohl ausgelacht oder zumindest ungläubig angestarrt. Denn es lag noch ein langer Weg zwischen den Strassen Chicagos und der begeisterten, nach Johnny Winter schreienden Menge des Fillmore East. Und hätte es damals einer gewagt, den jungen Bluesenthu siasten vor den vielen Gefahren zu warnen, die sich parallel zum Erfolg einstellen, er hätte wohl ebenso wenig Gehör gefunden.

Jam mit Mike Bloomfield

Von den Strassen Chicagos zog Johnny Winter in die zahlreichen Clubs, und dort seine Botschaft vom Blues zu verkünden. «Ich spielte mit vielen guten Leuten zusammen», erinnert er sich heute, «die zwar damals alle unbekannt waren, sich aber alle später einen Namen schafften. Da gab es Barry Goldberg, der in der Gruppe (Robbie And The Troubadours) mitmischte. Oder Mike Bloomfield, der den Club <Fickle Pickle> leitete und dort all' jenen Leuten Arbeit verschaffte, die sonst niemand haben wollte. Leute wie Little Brother Montgomery oder Big Joe Williams. Viel Geld hat Mike nicht rausscheffeln können aus seinem Club. Ich spielte oft Mundharmonika dort. Später ging ich nach Texas zurück und habe Bloomfield erst im Fillmore im Jahre 68 wiedergesehen.»

«Sock it to me, soulbrother!»

Wieder zurück in Texas schloss sich Johnny einer riesigen Unterhaltungsgruppe an, die ähnlich Joe Cockers Mad Dogs & Englishmen mit Kind und Kegel durch die Lande zog und sämtliche zweit- und drittrangigen Clubs des Südens abgraste. «Den Blues wollte keiner hören, die Besoffenen schrien immer wieder nach Soul. Und so habe ich versucht, den Blues auf Schleichwegen in unsere Musik reinzuschmuggeln, so oft ich nur konnte.» Es muss aber trotzdem Leute gegeben haben, die im Stande waren, das Talent des Mr. Winter durch die abgefuckten Soul­phrasen hindurch herauszuhören. Denn im Dezember 1968 erschien in der amerikanischen Top-Musik­zeitung «Rolling Stone» ein zwei­seitiger Artike' über das Blues-wunder aus Beaumont in Texas.

Der grosse Abend im Fillmore East

Steve Paul, einer der führendsten Promoter im Popbusiness, las die Story, interessierte sich und flog kurzerhand nach Houston, um Johnny Winter zu suchen. Wenige Tage später spielte Johnny bereits in Pauls Club in New York, der bald allabendlich zum Bersten vollgestopft war mit Leuten, die alle gekommen waren, um den neuen Mann zu hören. Und Johnny lernte eine Menge guter Musiker kennen, er jammte mit den Besten des Business. Seine ganz grosse Chance aber hatte er an einem Samstagabend, als er im New Yorker Fillmore East ganz zufällig Mike antraf. Bloomfield lud ihn zu einer Jam-Session ein. Eine Gitarre wurde herbeigeschafft. Um zwei Uhr nachts dann betrat Johnny Winter die Bühne. Bloomfield stellte ihn dem Publikum vor. Und Johnny begann den Blues zu spielen, langsam erst, dann immer hektischer; die bleiche, ganz in Schwarz gekleidete Gestalt wand sich im Takt der Musik - die Leute rasten - das verwöhnte New Yorker Publikum tat etwas, das es sonst nur selten tut - es zollte vorbehaltlosen Beifall, schrie, taumelte vor Begeisterung. Ein neuer Superstar war geboren.

neuen Superstar. «Es war lächerlich». sagt Johnny, «vor allem in New York. Ging ich irgendwo einkaufen oder essen, kam bestimmt so ein Typ, der mich fragte. was ich hier tue. Als ob die nicht sehen konnten, dass ich dabei war, Essen in mich reinzustopfen. Oder ich ging ahnungslos die Strasse hinunter und nach mindestens ein paar Häuserecken marschierte eine ganze Armee hinter mir her. Das ganze Startheater mag ja manchmal ganz lustig sein, wenn man sich mal aufspielen oder eine Frau aufreissen will. Aber immer so zu leben - nee danke! Ich hätte manchmal laut rausschreien mögen: behandelt mich doch wie einen normalen Menschen und nicht wie einen gottverdammten Rock'n'Roll-Star!»

Von der Rock- zur Drogenszene

Doch Johnny Winter musste mit seinem Starimage leben, er konnte nicht einfach abschalten. Sein Albinogesicht liess sich nicht so ohne weiteres hinter einer dunklen Sonnenbrille verstecken. Und als ihm die Sache über den Kopf wuchs, tat er etwas, was viele Leute in seinem Business vor ihm getan hatten - er schaltete ab, er schaltete um - auf Drogen! Johnny Winter zu diesem Thema: «Zuerst tat ich's, weil es aufregend und gefährlich war. Ich fühlte mich gut. So tat ich's ab und zu. Mit der Zeit fand ich heraus, dass die Drogen mir viel mehr bieten konnten. Vor allem, wenn ich <on the road> war und keinen kannte. Ich war oft wahnsinnig einsam. Dazu kam, dass ich Nacht für Nacht dieselben Songs spielen musste. Es kotzte mich an. Da kann ein bisschen von dem Zeug Wunder wirken. Auf einmal spielt es keine Rolle mehr, dass es immer die ewig alten Stücke sind, die man zu spielen hat. Es ist egal, dass man niemand kennt. Man realisiert die Leute nicht mehr, die alle versuchen, ein Stück von deinem Star­kuchen abzuschneiden. Nichts spielt eine Rolle mehr!»

«Ich verabscheute mich!»

Das Drogenproblem und die Startumparanoia haben dann Johnny Winter schlussendlich den Rest gegeben. Mit nur einem der beiden Probleme wäre er zur Not wohl noch fertig geworden, aber mit beiden zusammen - «Ich fühlte mich lausig. Ich hatte genug vom Leben, manchmal dachte ich allen Ernstes daran. Schluss zu machen. Nur meiner Mutter habe ich es zu verdanken, dass ich diesen letzten Schritt nicht getan habe. Vielleicht war ich auch zu feige dazu. Es war grässlich. Die ganze Welt kotzte mich an. Ich hatte nur einen Gedanken - du bist süchtig, du bist süchtig. Ich verabscheute mich selbst. Essen, Kleider, Jobs - nichts interessierte mich mehr.»

Ein Jahr ohne Fixe

Johnny Winter meldete sich für eine freiwillige Entziehungskur im Spital von Beaumont, blieb sechs Wochen dort, kam raus - und griff erneut zur Fixe. Bis er eines Tages völlig zusammenklappte. Ein Arzt schickte ihn nach New Orleans. ins River Oaks-Spital. Dort wurde ihm vom ersten Tag jeglicher Drogen­konsum radikal abgestellt. Johnny Winter über seine Erfahrungen in River Oaks: «Die ersten drei bis vier Monate waren die absolute Hölle. Und dann plötzlich geschah etwas mit mir. Ich weiss nicht, was es war - vielleicht das Spital, die Ärzte oder ganz einfach die Tatsa­ che, dass ich so weit von allem weg war - ich fühlte mich plötzlich besser. Ich hatte kein Bedürfnis mehr nach dem Zeug. Ich habe nun fast ein ganzes Jahr nicht mehr gefixt und glaube kaum, dass ich es wieder tun werde. Ganz sicher werde ich natürlich erst nach ein paar Jahren sein. Ich werde nie mehr mit Leuten zusammenspielen, die in der harten Drogenszene mitmischen. Ich habe mir überhaupt vorgenommen, bei meinem nächsten Anlauf viele Fehler nicht mehr zu machen, die mich beim ersten Mal geschafft haben. Keine end­losen Tourneen, kein Herumreisen mehr. Ich werde mich vermehrt auf Studioarbeiten konzentrierer Leute produzieren und vielleich nur noch zwei bis drei Mal pro Woche auftreten. Ich muss sesshaft werden.»

Johnny Winter - was nun?

Das erste (traurige) Kapitel in einer bewegten Musikerkarriere hat in einer Entziehungsklinik in New Orleans seinen endgültigen Abschluss gefunden. Johnny Win­ ter hat gelernt, dass auch ein Leben ohne Drogen durchaus lebenswert sein kann. Bleibt nur zu hoffen, dass er recht bald die Seiten zu einem zweiten (erfreulicherem) Kapitel Musikgeschichte aufschlagen wird. Noch ist es still um Johnny Winter. Doch letzten Meldungen zufolge soll er sich auf der Suche nach einem geeigneten Schlagzeuger und Bassisten befinden, mit denen er ein neues Rocktrio auf die Beine stellen will. Über das genaue Wie, Wann und Wo herrscht einstweilen noch Schweig en...
Pop Magazine (Germany) - December 1972 Pop Magazine (Germany) - December 1972

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19-Feb-2012 12:0548